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VON STILLE UND TIEFE IM WASSER-ELEMENT


„Wir kommen aus dem Wasser und gehen wieder ins Wasser.“ Dieser Satz beschreibt sehr gut die Sichtweise der traditionellen chinesischen Medizin, aber auch den ursprünglich europäischen Zugang, dass das Leben nämlich ein Zyklus ist. Ein Zyklus ist nie linear sondern immer kreisförmig. Es gibt keinen Anfang und kein Ende. Und genauso verhält es sich mit uns Menschen und der Natur.



Wenn wir geboren werden, dann kommen wir aus dem tiefsten Inneren unserer Mutter – aus ihrer Essenz sozusagen. Genauso wie das Leben einer Pflanze im tiefsten Dunkel der Erde („Der großen Mutter“) beginnt. An diesem Ort ist es stockdunkel, also schwarz – die Farbe des Wasserelements. Und doch entsteht in dieser scheinbar „leblosen“ Umgebung neues Leben. Einfach durch einen Funken Licht (= Wärme = Yang). Denn Yin und Yang bedingen einander bzw. haben sie ihren Ursprung ineinander. In der traditionellen chinesischen Medizin werden die Lebensabschnitte den diversen Elementen zugeordnet. Im Wasser werden wir geboren, unsere Kindheit verbringen wir im aufstrebenden Holzelement, unsere Blüte erleben wir im Feuerelement, im Erdelement übernehmen wir unsere familiären Aufgaben, im Metallelement erleben wir unseren Lebensherbst und im Lebenswinter, also im Wasser gehen wir irgendwann wieder zurück in die Dunkelheit der Erde… bis uns der Funken des Lebens erneut wachküsst und der Zyklus wieder von vorne beginnt! ;-)

 

So exotisch das Wissen der TCM für manche klingen mag, diese Sichtweise ist absolut nichts Neues. Unsere heidnischen Vorfahren feierten auch jährlich zur Wintersonnenwende die Geburt des Lichts (Heute feiern wir die Geburt Jesu – das Licht der Welt – was für ein "Zu-fall"), von dem alles (Über-)Leben im kommenden Jahr, also wieder ein Zyklus, abhängig war. Sie glaubten auch fest daran, dass ihre verstorbenen Ahnen als ihre Kinder wiedergeboren wurden. Es ist egal, ob wir das Ganze ursprünglich, christlich, fernöstlich oder einfach biologisch betrachten – das Prinzip ist immer dasselbe.

 

Jahreszeitlich befinden wir uns also nach der TCM bereits seit Mitte November im Wasserelement. Es ist die Zeit der Dunkelheit und des In-sich-gehens. In unserem Inneren finden sich oft verborgene Ängste, die ebenfalls dem Wasserelement zugeschrieben werden. Mit diesen Ängsten sollten wir einen sehr bewussten Umgang pflegen, da sie uns wortwörtlich an die Nieren gehen. Die Nieren, sowie die Blase ("sich vor Angst in die Hose pinkeln...") werden ebenfalls dem Wasserelement zugeschrieben. In den Nieren ist laut TCM unsere gesamte Lebensessenz gespeichert. Je länger wir also in einem Angstzustand verharren, desto stärker beanspruchen wir unsere Essenz. Aber nicht nur Angst zählt zum Wasserelement, sondern auch die Willenskraft. Wenn wir genug Willenskraft haben, dann werden wir es auch schaffen unsere Ängste im Zaum zu halten und in die Selbstermächtigung kommen um klare Entscheidungen zu treffen. Denn auch die Macht wird dem Wasser zugeschrieben. Und wollen wir nicht alle zumindest die Macht über uns selbst erlangen, um diese nicht anderen überlassen zu "müssen"? ;-)

 

In der Küche ist es übrigens der salzige Geschmack der dem Wasserelement zugeschrieben wird. Er hat eine aufweichende Wirkung – wie wir auch jährlich bei der Eisräumung beobachten dürfen. Werden die Straßen im Winter zu viel gesalzen, dann laugt das die Bankette, also die Erde aus. Dasselbe Prinzip sehen wir auch in unserem Körper. Wir können mit salzigen Lebensmitteln (Miso, Algen, Hülsenfrüchten,…) Verschlackungen sanft aufweichen und hinausbefördern. Übertreiben wir es damit, schwächen wir unsere Mitte, also unser Erdelement, das davon förmlich aufgeweicht und hinterher ausgelaugt wird. Am besten stärken wir unsere Essenz übrigens mit allem was eben das Potenzial in sich trägt aus etwas ganz Winzigem etwas Großes wachsen zu lassen, weshalb es immer Sinn macht sein Essen regelmäßig zum Beispiel mit Nüssen und Samen anzureichern. Diese Lebensmittel werden wiederum häufig dem Erdelement zugeordnet – denn Erde kann das Wasser kontrollieren. Genauso wie die Erde das Wasser kontrolliert, kann auch eine Mutter (die natürlich dem Erdelement entspricht) ihre verängstigten Kinder in den Arm nehmen und ihnen Halt und Sicherheit geben.

 

Als Erwachsene sollten wir uns irgendwann diesen Halt und diese Sicherheit selber geben können, was in unserer überinformierten, angstbehafteten Zeit für viele Menschen oft gar nicht so einfach ist. Deshalb, macht es für mich einfach immer Sinn sich an der Natur zu orientieren und sich zum Beispiel jetzt in dieser dunklen Zeit mit den eigenen dunklen Flecken auseinanderzusetzen, um dann in der lichteren Zeit wieder mit gestärkter Kraft klare Entscheidungen treffen zu können. Das ist vermutlich das beste (Weihnachts-) Geschenk, das man sich selber und der Welt machen kann! Die absolute Selbstermächtigung! :-)


In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine be-s-innliche Zeit der Selbstermächtigung und Frieden - vor allem mit uns selbst! ;-)




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